Die Mindestlohndebatte: Arbeitskiller oder Wohlstandsförderer

Eines der seit Jahren intensiv diskutierten Themen, welches im Wahljahr sicherlich noch einiges von sich hören lassen wird ist der Mindestlohn. Verschiedene Parteien und Gewerkschaften fordern ihn, Arbeitgeber warnen zumindest zum Teil davor. Aber welche Auswirkungen wird ein Mindestlohn wirklich haben. Betriebswirtschaftlich ist der maximal entrichtbare Lohn schnell definiert: Ein Arbeitnehmer darf nicht mehr kosten, als er dem Unternehmen bringt. Kosten sind interne Prozesse, Lohnkosten und Sozialabgaben, in einem gewissen Rahmen natürlich auch noch andere Abgaben. Logischerweise wird ein Unternehmer seinem Angestellten nicht mehr zahlen können, als dieser einbringt. (Dabei ist es egal, ob die Einnahmen von diesem Mitarbeiter erbracht werden, oder von anderen Mitarbeitern und der Mitarbeiter notwendige Verwaltungstätigkeiten durchführt.) Handelt ein Unternehmer diesem Grundsatz entgegen, darf er sich zwar als Wohltäter fühlen, wird aber bald nicht mehr am Markt vorhanden sein.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht stellt sich das Bild logischerweise etwas anders dar. Ziel einer Wirtschaft muss es sein, dass alle Akteure am Markt, also auch Arbeiter und Angestellte, von ihrem Einsatz leben können. Letztlich heißt das, dass der Staat Bedingungen schaffen muss, unter denen sich aus einer angemessenen Interaktion mit dem Markt (Beispielsweise dem Verkauf der eigenen Arbeitszeit) auch eine angemessene Vergütung ergibt.

Die Setzung der Rahmenbedingungen durch den Staat kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen. Entweder versucht er Rahmenbedingungenzu schaffen, die im globalen Wirtschaftssystem für die eigenen Bevölkerung angemessene Jobs erzeugt. Als angemessen sollen in diesem Fall Jobs gelten, die sich auf dem globalen Markt entsprechend entlohnen lassen und nicht welche, die sich aus irgendwie gearteten Ansprüchen ergeben. In einem Fall wie Deutschand stehen wir damit vor der Notwendigkeit uns im hochpreisigen Segment bewegen zu müssen. Mit einfachen Dienstleistungen lässt sich nur entsprechend Geld verdienen, wenn ein ausreichender Anteil der Bevölkerung in hochqualifizierten Jobs beschäftigt ist. Daraus leitet sich als Aufgaben für den Staat die Innovationsförderung und nicht zuletzt die Optimierung von Bildung und Forschung ab. Der andere Ansatz, der momentan von vielen Akteuren aus dem Linken Spektrum der Parteienwelt preferiert wird, ist die Erzwingung eines Mindestlohnes. Dieses Vorgehen verspricht nur Erfolg, wenn die Gewinne der Unternehmen momentan so hoch sind, dass sie einen Mindestlohn verkraften. Dies ist in einigen Branchen sicherlich der Fall. Aber gibt es auch Bereiche, in denen der Mindestlohn zur Entschäftigung führen würde?

Was die Diskussion um das Thema Mindestlohn bringen wird, werden wir sehen und welche Folgen die politischen Entscheidungen haben, werden wir wahrscheinlich merken. Ich will mich nicht vorfrüh auf eine bestimmte Seite schlagen. Entscheidend bei einem Mindestlohn wird sicher die Höhe sein. Frau Halina Wawzynak von den Linke hätte den Mindestlohn gerne bei 10/h und kritisiert Jürgen Trittin harsch dafür, dass er nur 7,50€/h fordert. Viele Unternehmer hätten den Mindestlohn gerne noch weit da drunter. Um hierzu ein paar mehr Zahlen zu gewinnen gibt es ein paar Onlineumfragen:

Für Unternehmer: Mit der Frage, was 10€ Mindestlohn für Sie bedeutet:

Frage nach der Höhe des Mindestlohns.

Für Arbeitnehmer

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2 Gedanken zu „Die Mindestlohndebatte: Arbeitskiller oder Wohlstandsförderer

  1. Der Autor liegt falsch: Meine Partei fordert im Wahlprogrammentwurf einen Mindestlohn von 10 EUR/Stunde. Der Gedanke dabei ist, dass wir seit langem 8 EUR/Stunde fordern, angesichts steigender Lebenshaltungskosten aber eine Angleichung auch des Mindestlohnes erfolgen muss. Der Pfändungsfreibetrag ist erhöht worden, insfoern kann man auch die Mindestlohnforderung erhöhen. Und wenn wir einen Mindestlohn von 10 EUR fordern, dann heißt dies, dass wir genau diesen Mindestlohn am Ende der Legislaturperiode erreichen wollen.

    Ich finde es sogar gut, dass Jürgen Trittin, hier in Vertretung der Grünen einen Mindestlohn fordert. Der Autor hat vermutlich übersehen, dass ich in einem Tweed deshalb gesagt habe, dass die Grünen -für mich- nicht wählbar sidn, weil sie keinerlei Anstalten machen sich von ihren Fehlentscheidungen in der Rot-Grünen Bundesregierung zu distanzieren. Das Problem der Grünen ist nicht vordergründig ihr Wahlprogramm, dass Problem der Grünen ist, dass sie praktisch unter Beweis gestellt haben, dass sie es nicht umsetzen werden – es sei denn es gibt Druck von LINKS.

  2. Ich bedanke mich vorab für die Richtigstellungen bei Halina Wawzynak.
    Die Kernfrage, ob ein Mindestlohn Arbeitsplätze gefährdet oder den Wohlstand der Schlechtverdienenden erhöht, ist davon natürlich nicht betroffen und bleibt für mich nach wie vor unbeantwortet. Nach wie vor bleibt meine Hauptbefürchtung bestehen, dass gerade ein zu hoher Mindestlohn den sozial Schwachen eher schadet als hilft, da Unternehmen bei einem Mindestlohn von 10€/h wahrscheinlich sehr genau prüfen würden, welche Hilfsarbeiten automatisiert oder wegrationalisiert werden können.
    Fragwürdig ist in meinen Augen auch die Argumentation, dass ein Mindestlohn mit den Lebenshaltungskosten steigen sollte, vielmehr wäre vielleicht eine Kopplung an durchschnittlich gezahlte Löhne interessant.
    Meiner Einschätzung nach ist ein hoher Mindestlohn nur bei einer gleichzeitigen Senkung der Lohnnebenkosten zu erreichen, so dass die Kosten für die Unternehmen in weiten Bereichen neutral sind.
    Und nur schonmal vorab, bevor die entsprechenden Kommentare eingehen: Ich bin kein Freund von Lohndumping. Unternehmen, die Gewinne machen, sollten diese auch zu einem Teil an ihre Mitarbeiter weitergeben. Wer sich mit Niedriglöhnen selbst bereichert, handelt zwar betriebswirtschaftlich richtig, aber volkswirtschaftlich ist dieses Verhalten höchst problematisch. An dieser Stelle ist der staat gefordert, bestimmte Standards zu definieren.

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