Diktatur? Demokratie? China? Social Media!

Vor wenigen Tagen war es mal wieder so weit. Eine prominente Figur, in diesem Fall Bernie Ecclestone, hat öffentlich Zweifel an der Funktionalität der Demokratie geäußert. Er hat auch das eine oder andere an Hitler gelobt, was er wohl später bedauert hat. Nun ist es ja so, dass man, sobald man Hitler gut findet, öffentlich kaum noch ernst genommen werden kann, weswegen die anderen Argumente oft gar nicht mehr diskutiert werden. Daher möchte ich an dieser Stelle die Diskussion nur auf die Argumente gegen die Demokratie eingehen. (Das Hitlers und seine vielzähligen Helfer Verbrechen in großem Ausmaß begangen haben, steht außer Frage.) Laut Ecclestone ist die Demokratie einfach zu langsam. Heutzutage, so meint er, müssen Entscheidungen deutlich schneller getroffen werden, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Er sagt, dass wir schnelle Lösungen brauchen und nicht mehrere Parteien, die sich nicht einigen können.
Die Trägheit der Demokratie ist ein nicht zu leugnendes Merkmal. Im Gegensatz zu Firmen oder Diktaturen, in denen klar ist, wer die Entscheidungen trifft, muss in der Demokratie erst eine Entscheidung gesucht werden. Und vielleicht das „Schlimmste“ an der Demokratie: die Entscheider werden ausgetauscht und das auch noch vom „unverständigen, faulen und dummen Volk“. So oder ähnlich sehen das zumindest gerne Menschen, die es gewohnt sind, Entscheidungen alleine zu treffen. Nur, wie es beim Denken halt manchmal so ist, ist dieser Argument ziemlicher Unsinn.

Im Gegensatz zu Demokratien sind Diktaturen nicht durch die Menschen, die in ihnen leben legitimiert. D.h. es gibt ein Gegeneinander zwischen Volk und Regierung. Dieses Gegeneinander führt auf lange Sicht zu enormen Reibungen und Instabilitäten. Dies ist weder für die Wirtschaft noch für die Kultur gut. Für das Volk schon garnicht. Insofern erkauft man sich die kurzfristige Möglichkeit, schnellere Entscheidungen zu treffen, mit einer langfristigen Planungsunsicherheit. Wem das nützen soll, ist fü mich nicht zu ersehen.

Gerne wird in diesem Zusammenhang China angeführt und gesagt: „Die Chinesische Entwicklung ist soviel schneller als die westliche. Wir müssen uns mit dem Modell des Staatskapitalismus eingehend beschäftigen.“ Aber auch das ist Quatsch. Die Chinesen sind seit sehr langer Zeit eine Hochkultur. In den letzten 200 Jahren haben wir uns dramatisch schneller entwickelt als die chinesische Wirtschaft. Auch heute ist der Lebensstandard im Westen um ein vielfaches höher als in in China. China hohlt einfach nur auf. Deswegen haben sie noch lange nicht das bessere System. Und wenn dann erstmal die Arbeiter anfangen ernsthaft für Ihre Rechte zu kämpfen, gibt es eine Menge Reibung im Gefüge des neuen Kapitalismus.

Wenn man Thesen wie Ecclestone aufstellt, muss man fragen, „Warum müssen wir schnellere Entscheidungen treffen?“ Die Antwort wird lauten, weil die Welt globaler geworden ist, die Kommunikation schneller und die Herausforderungen komplexer. All dies spricht jedoch in keinster Weise gegen die Demokratie, sondern für die Demokratie. Die Menschen sind vernetzter geworden. Wir stehen vor der Chance, eine Welt zu schaffen, in der es mehr Demokratie geben könnte und Entscheidungen im größeren Maßstab zu getroffen werden könnten.

Wenn die Welt vernetzter geworden ist und die Kommunikation schneller, dann müsste es ja auch möglich sein, die Demokratie schneller zu machen. Dies geht m.E. eher mit mehr Demokratie als mit weniger. Wir haben heutzutage die Technik der Interaktion weiter entwickelt, als es manchem Entscheider und Politiker lieb ist. Genau diese Techniken, die wir im Rahmen sozialer Netzwerke entwickelt und erprobt haben, sollten mehr in den politischen Entscheidungsprozess eingebunden werden.  Wie dies genau stattfinden sollte, muss diskutiert werden, in sozialen Netzwerken, auf Twitter und natürlich auch offline.

Wenn wichtige Dinge unseres Alltages auf eine bestimmte Art und Weise geregelt werden sollen, dürfen wir nicht die wichtigste Frage unserer Kindheit vergessen: „Warum?“. Wem nützt das ganze. Und ich denke wir, als dummes, faules Volk sollten uns nicht verarschen lassen. wenn die Antwort nicht lautet, weil es uns nützt, dann sollten wir auch nicht daran arbeiten es umzusetzen. Mehr Demokratie und mehr Kontrolle würden uns dahin gegen nützen. Mehr Kontrolle der Entscheidungsträger, unserer Anwälte, der Herren und Damen Politiker versteht sich.

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