Gedanken und Prognosen zu erneuerbaren Energien und der Branche

In den letzten Monaten, vor allem in Bezug auf die kopenhagener Konferenz wurde sehr viel über die Möglichkeiten und Probleme der erneuerbaren Energien geschrieben. Eines der Hauptprobleme von Wind- und Sonnenenergie ist die mangelnde Zuverlässigkeit. Während Atommeiler, solange sie nicht gerade aus Sicherheitsgründen runtergefahren werden müssen, kontinuierlich eine berechenbare Strommenge abgeben, schwanken aus Windrädern und Solaranlagen gewonnene Strommengen je nach Wetter und Tageszeit.

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien hat dies bestimmte Auswirkungen:

Entweder müssen die zusätzlichen Kraftwerke sehr schnell auf Schwankungen reagieren können, um die Schwankungen auszugleichen und die benötigte Gesamtversorgung des Netzes sicherzustellen. Diese Möglichkeit besteht vor allem mit Gaskraftwerken, da diese schnell hoch- und runtergefahren werden können. Daher besteht zu befürchten, dass der Neubau von Kohlekraftwerken und die Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken einem Ausbau von Wind- und Solarenergie entgegenstehen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Pufferstationen zu bauen, die überschüssigen Strom speichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfügung stellen. Hierzu werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Eine sehr beliebte Variante ist die Pufferung mittels der Akkus von Elektroautos. Dies würde allerdings voraussetzen, dass die Anschlüsse die zum Laden der Autos verwendet werden auch zum Einspeisen funktionieren (Änderungen am Stromnetz). Außerdem müßten die Eigentümer der Autos für die Abnutzung der Akkus entschädigt werden. Bei der momentanene Lebensdauer der Akkus wäre dies die denkbar teuerste Variante.

Eine wahrscheinlich sehr effiziente Variante wäre die Steuerung des Verbrauchs nach Angebot. Dies bedeutet konkret, dass die Verbraucher (z.B. Waschmaschinen) dann eingeschaltet sein müssten, wenn das Angebot an Strom groß ist (z.B. wenn die Sonne scheint). Dies erfordert jedoch ein grundlegend intelligenteres Stromnetz. Der Stromanschluss müsste Informationen über die Angebotsmenge des Stromes im Netz erhalten und dann mit einzelnen Verbrauchern kommunizieren, um den Verbrauch dem Angebot anzupassen.

Ein weiteres Hemmnis für erneuerbare Energien, vor allem für große Offshorewindparks, ist die Verteilung von Strom über weite Strecken, da hierbei nach wie vor hohe Verluste auftreten. Gerade Strom von Offshorewindparks kann jedoch nicht sinnvoll nur regional verbraucht werden, sondern muss transportiert werden.  Auch in diesem Bereich besteht im Stromnetz ein großer Optimierungsbedarf. (Im Übertragungsbereich erhofft sich Siemens in den nächsten Jahren einträgliche Gewinne)

Nun sind in diesem Markt unterschiedliche Akteure unterwegs. Die großen Stromkonzerne verdienen ihr Geld vor allem mit Kohle- und Atomstrom.  Deswegen ist es aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerade deren Anliegen in das Stromnetz, dass ihnen fast vollständig gehört, zu investieren, um die Konkurrenz der erneuerbaren Energien besser in den Markt zu lassen. Die Hersteller und Betreiber im Solar- und Windsektor sind zu großen Teilen im Mittelstand anzuordnen. Daher fehlt Ihnen im Gegensatz zu den ganz großen der direkte Draht in die Spitze der deutschen Politik. Allerdings organisieren sie sich zunehmend in unterschiedlichen Verbänden.  Die öffentliche Meinung, als wichtigster Faktor in der Debatte, ist gespalten. Die einen sehen die Alternativlosigkeit der erneuerbaren Energien und die zukünftigen Marktchancen im globalen Energiemarkt, die anderen bejammern die hohen Subventionen, die den Erneuerbaren zufließen. Weitgehender Konsens ist jedoch, dass etwas getan werden muss. Daher üben sich alle Akteure in großen Worten:

  • Die Branche der Erneuerbaren betont zurecht die Alternativlosigkeit einer Energiewende und die Marktchancen sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze
  • Die Politik verspricht, wie immer, alles Mögliche zu tun
  • Große Konzerne planen Monsterprojekte: Stichwort Desertec
  • Siemens und BASF stellen sich als die größten Umweltkonzerne dar, in dem sie ihr Portfolio entsprechend sortieren und auf CO2 Einsparungen verweisen, die sie ihren Kunden ermöglichen.
  • Die großen Energiekonzerne betreiben Pilotprojekte im erneuerbaren Bereich und müssen sich andererseits vorwerfen lassen die Einspeisung erneuerbarer Energien eher zu behindern als zu befördern.
  • viele Wissenschaftler geben viel Kluges von sich.
  • Die Politik kann sich nicht einigen. Vor allem nicht international.

Wohin das Ganze führen wird, wissen wir noch nicht. Klar ist nur, dass sich in den nächsten Jahren viel in diesem Sektor bewegen wird und, dass in diesem Bereich noch sehr viel Innovation möglich ist. Zu nennen wäre hier v.a. der Wirkungsgrad von Solarztellen, bessere Speichermedien und intelligente Lösungen bei der Stromdistribution. Die Branche wird zunehmend mehr Geld umsetzen und mehr Leute beschäftigen. Einige Leute werden in diesem Bereich in den nächsten Jahren sehr reich werden und andere Firmen werden zugrunde gehen. Vor allem die Solarbranche steht vor einer großen Konsolidierung. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Ob sich zum Schluss eher dezentrale Strukturen durchsetzen werden (man beachte die Renaissance der Stadtwerke) oder ob die großen Konzerne den Energiemarkt weiter beherrschen werden, weil sie groß in den neuen Markt einsteigen werden, ist noch nicht abzusehen.

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2 Gedanken zu „Gedanken und Prognosen zu erneuerbaren Energien und der Branche

  1. Eine prima Zusammenfassung der Situation der Energieversorgung in Deutschland und eine treffende Darstellung der verschiedenen Sichtweisen.

    Eine kleine Ergänzung hätte ich noch. Eine der Lösungen um Schwankungen bei erneuerbaren Energien auszugleichen ist das Kombikraftwerk. Darin sind verschiedene kleinere Solar-, Wind- und Biogas-Kraftwerke enthalten. Diese wurden in einem Versuch so gesteuert, dass ein Testgebiet vollständig und jederzeit mit erneuerbaren Energien versorgt werden konnte.

    Nachdem sich bei erneuerbaren Energien und Speichertechnologien in den letzten Jahren so viel getan hat, wird sich mit Sicherheit auch in Zukunft noch einiges tun.

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