Solar: welche Rolle will Deutschland in Zukunft spielen?

Letzten Freitag ging ein Aufschrei durch die Solarbranche, als durchsickerte, dass die neue Bundesregierung die Förderung für die Einspeisung von Solarstrom eventuell im April um weitere 17% kürzen will. (z.B. Welt, Spiegel, Handelsblatt) Da werden natürlich entscheidende Fragen aufgeworfen. Der Blogger Andreas Kühn fragt auf www.energynet.de gar „Steigt Deutschland aus der Solarwirtschaft aus?„.

Und diese Frage ist sicher nicht ganz unberechtigt. Daher halte ich es für angemessen auch noch meine Meinung zu diesem Thema auszubreiten. Wie immer erachte ich es für besonders wichtig, die verschiedenen Perspektiven und Interessen in diesem Bereich zu beleuchten.

Zum einen ist da das Interesse der Stromverbraucher. Diese müssen die Förderung ja letztendlich bezahlen. In Zeiten steigender Energiepreise ist natürlich niemand glücklich darüber, wenn er mehr für seinen Strom zahlen muss als notwendig. Daher hat es die Politik in diesem Bereich leicht sich als Retter der Interessen des kleinen Mannes darzustellen. Die größten Stromverbraucher sind allerdings gewerbliche Verbraucher.

Weiterhin besteht ein starkes Interesse von größeren Firmen der Energiewirtschaft aus von diesen entwickelten und betriebenen Technologien den maximalen Profit heraus zu holen. Dabei handelt es sich vor allem um Kernkraft und Kohle als Energieträger. Diese Unternehmen sehen die gesamte erneuerbare Energien Branche bisher eher als Konkurrenz und haben daher ein gewisses Interesse an einer suboptimalen Entwicklung der Branche.

Auf der anderen Seite steht ein relativ junges Geflecht von Firmen aus dem kleineren und mittleren Größenbereich. Da gibt es die Hersteller von Solarzellen, die Installateure, die Planer und so weiter. Diese Firmen haben ein gutes Argument auf  Ihrer Seite. Dieses noch junge Geflecht zeigt, dass der Bereich erneuerbare Energien real Arbeitsplätze geschaffen hat. Viel wichtiger ist jedoch, dass dieser Markt ein Wachstumsmarkt ist und Deutschland momentan noch zu den führenden Länder in Bezug auf die Technologieentwicklung zählt.

Die dritte Interessentengruppe sind die Betreiber und Investoren von neuen Solaranlagen. Diese wollen eine möglichst hohe Förderung und möglichst niedrige Modulpreise.

Um in der Debatte mitreden zu können, muss man natürlich auch sein Verhältnis zu Fördergeldern im Allgemeinen klären. Fördergelder können helfen Branchen oder Technologien aufzubauen. Sie können aber auch dazu missbraucht werden die Gewinne der Firmeneigner zu erhöhen oder im Preiskampf Konkurrenz von einem Markt fern zu halten. Oft helfen Fördergelder eher den großen als den kleinen Firmen, da diese das Geld haben Stellen zu schaffen, die sich nur mit der Beantragung von Förderungen beschäftigen.  Gerade wenn Förderungen zum Dauerzustand werden, führen sie, polemisch gesprochen dazu, dass die Firmen dick, faul und dumm werden.

Die Einspeisevergütung im Solarbereich war daher im Vergleich zu manch anderer Förderung echt sinnvoll angelegt. Sie bot zuerst einen Anreiz eine Technologie, die noch nicht wirtschaftlich eingesetzt werden konnte, weiterzuentwickeln und ihr einen Markteintritt zu ermöglichen. Da die Förderung jedes Jahr um einen festgelegten Betrag sinkt, herrscht für alle Seiten eine weitgehende Planungssicherheit.

Die Solarunternehmen wissen seit Jahren, dass die Modulpreise deutlich sinken müssen. Dies liegt einerseits an der Förderung und andererseits an der Konkurrenz.Wirklich konkurrenzfähig ist die Solarbranche erst, wenn sie Netzparität erreicht, es sich also auch ohne Förderung lohnt Strom mit Solarzellen zu produzieren und einzuspeisen. Diesem Schritt sind wir interessanterweise durch die letzte Wirtschaftskrise bedeutend näher gekommen. Die Modulpreise fielen im letzten Jahr um bis zu 50%. Investitionsanreize sollten insofern auch mit verminderter Förderung noch vorhanden sein.

Eine über die Regelkürzung von 10% zu Jahresanfang hinaus, will die neue Bundesregierung nun die Einspeisevergütung noch deutlich mehr kürzen. Dies wird unter anderem mit der Notwendigkeit der Überförderung der Solarbranche entgegen zu treten begründet. Eine sehr hohe Kürzung der Einpreisevergütung dürfte in den Finanzplanungen der meisten Solarunternehmen nicht enthalten sein.

Die Politik wird in Deutschland mit einer radikalen Kürzung sicher einiges in der Branche kaputt machen. Andererseits gibt es auch eine Menge schwarzer Schafe, die nur aufgrund der guten Förderungen in der Branche aktiv sind. Es ist jedoch die Frage, ob die Politik nicht vor allem die Mittelständler treffen wird, die in den letzten Jahren viel Geld in KnowHow und Technologie gesteckt haben und die hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen haben.

Meine Einschätzung ist, dass die Energieproduktion eines der entscheidenden Geschäftsfelder der nächsten Jahrzehnte sein wird. Wir sollten in Deutschland nicht die Option verspielen, mit diesem Sektor unseren zukünftigen Wohlstand zu sichern und kurzfristigen Interessen zu opfern. Eine Abnahme der Förderung über das geplante Maß hinaus erscheint auch mir sinnvoll, allerdings würde ich der Branche mehr Planungssicherheit dabei zugestehen. Z.B. könnte man die Förderung monatlich um ein Prozent absenken und damit einen grvaierenden Einschnitt verhindern, der zukunftsfähige Unternehmen zerstören könnte.

Interessant ist noch die Einschätzung von Martin Jendrischek von cleanthinking das vor allem Arbeitsplätze in Ostdeutschland verloren gehen könnten. Gerade im Osten, von Dresden bis Fürstenwalde haben sich viele neue Solarunternehmen eingerichtet.

Gedanken und Prognosen zu erneuerbaren Energien und der Branche

In den letzten Monaten, vor allem in Bezug auf die kopenhagener Konferenz wurde sehr viel über die Möglichkeiten und Probleme der erneuerbaren Energien geschrieben. Eines der Hauptprobleme von Wind- und Sonnenenergie ist die mangelnde Zuverlässigkeit. Während Atommeiler, solange sie nicht gerade aus Sicherheitsgründen runtergefahren werden müssen, kontinuierlich eine berechenbare Strommenge abgeben, schwanken aus Windrädern und Solaranlagen gewonnene Strommengen je nach Wetter und Tageszeit.

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien hat dies bestimmte Auswirkungen:

Entweder müssen die zusätzlichen Kraftwerke sehr schnell auf Schwankungen reagieren können, um die Schwankungen auszugleichen und die benötigte Gesamtversorgung des Netzes sicherzustellen. Diese Möglichkeit besteht vor allem mit Gaskraftwerken, da diese schnell hoch- und runtergefahren werden können. Daher besteht zu befürchten, dass der Neubau von Kohlekraftwerken und die Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken einem Ausbau von Wind- und Solarenergie entgegenstehen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Pufferstationen zu bauen, die überschüssigen Strom speichern und ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfügung stellen. Hierzu werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Eine sehr beliebte Variante ist die Pufferung mittels der Akkus von Elektroautos. Dies würde allerdings voraussetzen, dass die Anschlüsse die zum Laden der Autos verwendet werden auch zum Einspeisen funktionieren (Änderungen am Stromnetz). Außerdem müßten die Eigentümer der Autos für die Abnutzung der Akkus entschädigt werden. Bei der momentanene Lebensdauer der Akkus wäre dies die denkbar teuerste Variante.

Eine wahrscheinlich sehr effiziente Variante wäre die Steuerung des Verbrauchs nach Angebot. Dies bedeutet konkret, dass die Verbraucher (z.B. Waschmaschinen) dann eingeschaltet sein müssten, wenn das Angebot an Strom groß ist (z.B. wenn die Sonne scheint). Dies erfordert jedoch ein grundlegend intelligenteres Stromnetz. Der Stromanschluss müsste Informationen über die Angebotsmenge des Stromes im Netz erhalten und dann mit einzelnen Verbrauchern kommunizieren, um den Verbrauch dem Angebot anzupassen.

Ein weiteres Hemmnis für erneuerbare Energien, vor allem für große Offshorewindparks, ist die Verteilung von Strom über weite Strecken, da hierbei nach wie vor hohe Verluste auftreten. Gerade Strom von Offshorewindparks kann jedoch nicht sinnvoll nur regional verbraucht werden, sondern muss transportiert werden.  Auch in diesem Bereich besteht im Stromnetz ein großer Optimierungsbedarf. (Im Übertragungsbereich erhofft sich Siemens in den nächsten Jahren einträgliche Gewinne)

Nun sind in diesem Markt unterschiedliche Akteure unterwegs. Die großen Stromkonzerne verdienen ihr Geld vor allem mit Kohle- und Atomstrom.  Deswegen ist es aus wirtschaftlichen Gründen nicht gerade deren Anliegen in das Stromnetz, dass ihnen fast vollständig gehört, zu investieren, um die Konkurrenz der erneuerbaren Energien besser in den Markt zu lassen. Die Hersteller und Betreiber im Solar- und Windsektor sind zu großen Teilen im Mittelstand anzuordnen. Daher fehlt Ihnen im Gegensatz zu den ganz großen der direkte Draht in die Spitze der deutschen Politik. Allerdings organisieren sie sich zunehmend in unterschiedlichen Verbänden.  Die öffentliche Meinung, als wichtigster Faktor in der Debatte, ist gespalten. Die einen sehen die Alternativlosigkeit der erneuerbaren Energien und die zukünftigen Marktchancen im globalen Energiemarkt, die anderen bejammern die hohen Subventionen, die den Erneuerbaren zufließen. Weitgehender Konsens ist jedoch, dass etwas getan werden muss. Daher üben sich alle Akteure in großen Worten:

  • Die Branche der Erneuerbaren betont zurecht die Alternativlosigkeit einer Energiewende und die Marktchancen sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze
  • Die Politik verspricht, wie immer, alles Mögliche zu tun
  • Große Konzerne planen Monsterprojekte: Stichwort Desertec
  • Siemens und BASF stellen sich als die größten Umweltkonzerne dar, in dem sie ihr Portfolio entsprechend sortieren und auf CO2 Einsparungen verweisen, die sie ihren Kunden ermöglichen.
  • Die großen Energiekonzerne betreiben Pilotprojekte im erneuerbaren Bereich und müssen sich andererseits vorwerfen lassen die Einspeisung erneuerbarer Energien eher zu behindern als zu befördern.
  • viele Wissenschaftler geben viel Kluges von sich.
  • Die Politik kann sich nicht einigen. Vor allem nicht international.

Wohin das Ganze führen wird, wissen wir noch nicht. Klar ist nur, dass sich in den nächsten Jahren viel in diesem Sektor bewegen wird und, dass in diesem Bereich noch sehr viel Innovation möglich ist. Zu nennen wäre hier v.a. der Wirkungsgrad von Solarztellen, bessere Speichermedien und intelligente Lösungen bei der Stromdistribution. Die Branche wird zunehmend mehr Geld umsetzen und mehr Leute beschäftigen. Einige Leute werden in diesem Bereich in den nächsten Jahren sehr reich werden und andere Firmen werden zugrunde gehen. Vor allem die Solarbranche steht vor einer großen Konsolidierung. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Ob sich zum Schluss eher dezentrale Strukturen durchsetzen werden (man beachte die Renaissance der Stadtwerke) oder ob die großen Konzerne den Energiemarkt weiter beherrschen werden, weil sie groß in den neuen Markt einsteigen werden, ist noch nicht abzusehen.