Twitter das Kommunikationsmedium der Gegenwart? Zensur und Demokratie.

Der Dienst Twitter hat sich in den letzten beiden Jahren zu einem wichtigen Faktor in der Kommunikation entwickelt. Twitter ist ein so genannter Microblogging Dienst. Hier kann jeder in 140 Zeichen ins globale Netz schreien, was er zu sagen hat. Die Feeds von Marktschreiern, die einen interessieren kann man abonnieren und sich so seine eigene kleine Nachrichtenwelt zusammen bauen.

Unternehmen versuchen auf Twitter zu werben. Dies klappt allerdings in den meisten Fällen nur mittelmäßig. Häufig werden hier nur plumpe Angebote verbreitet, die logischerweise niemand liest. Sehr viel effizienter wird twitter dagegen von der neuen Generation, den onlinern, eingesetzt. Blogger verbreiten Ihre neuen Posts über RSS Feeds und speisen diese mittels twitterfeed in twitter ein. Aber noch viel wichtiger ist die Echtzeidiskussion von brennenden Themen.

Gewisse Informationen verbreiten sich über Twitter sehr schnell weiter. Das prominenteste Beispiel ist die Notlandung eines Flugzeugs im Hudsonriver. Im deutschsprachigen Raum verselbständigte sich eine petition gegen die vom Bundestag geplante Zensur des Internets durch das Bundeskriminalamt. Binnen weniger Tage wurden die für eine Anhörung im Petitionsausschuss erforderliche Anzahl der Stimmen erreicht. (Heute, am 16.05.2009 waren es bereits über 80.000 Unterzeichner.) Die Stimmung und Propaganda der Netzaktivisten führte weiterhin dazu, dass das Thema „Netzsperren“ von allen großen Medien aufgegriffen wurde. Auch im Bundestag kam dieser, wohl unerwartet starke, Protest an.

In diesem Sinne ist die Frage, ob twitter eine neue Form der demokratischen Öffentlichkeit ist. Gerade durch die allgemeine Verfügbarkeit des Netzes (in Deutschland, nicht in der gesamten Welt), stärkt ein unzensiertes Netz die allgemeine Öffentlichkeit. Diese Stärke darf meines Erachtens nicht durch eine kaum kontrollierbare Zensur gefährdet werden.

Gerade die Unkontrollierbarkeit des Netzes macht natürlich den momentan Meinungsmächtigen Angst. So wie Webunternehmen (Beispiel Google) innerhalb kürzester Zeit zu riesigen Konzernen werden konnten, weil sie das Potenzial des Netzes erkannten und damit andere Unternehmen von ihrem Thron stießen, so fürchten heute Zeitungen und Politiker, durch das Neue des Netzes überrollt zu werden.

Dies gut oder schlecht zu finden, ist eine Sache der besseren Argumente. Aus meiner Sicht schaden starre Strukturen eher der Demokratie und der Meinungsfreiheit. Eine Ablösung gewisser Position wird immer mit Gejammer und Warnungen der Verlierer einhergehen. Die Chance einer stärkeren Demokratisierung durch Bürgerbeteiligungen zu verspielen, wäre jedoch ein unverzeihbarer Fehltritt auf dem Weg in eine demokratische Welt.

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